Wilhelm Busch auf Rheinfels
// März 21st, 2008 // 1 Comment » // Veranstaltungen
Es gibt Veranstaltungen denen man schon lange vorher mit einer gewissen Sehnsucht und Vorfreude entgegenblickt. Der kommende Abend zu Ehren von Wilhem Busch zähle ich zweifelsohne dazu. Als gebürtiger Schaumburger steht man dem Satiriker und Philosophen schon aus Heimatgründen sehr nah. Kommt der Autor doch gebürtig aus Wiedensahl, was nur wenige Minuten von meinem Geburtsort Stadthagen entfernt. Es ist aber nicht nur der Lokalpatriotismus, der einen mit Spannung auf die Veranstaltung am 04. Juli blicken läßt. Im Rahmen der Mittelrhein Musik Momente wird “die fromme Helene” als Theaterstück umgesetzt. So beschreibt es der Pressetext des Musikfestivals:
„Das Gute – dieser Satz steht fest – Ist stets das Böse, was man lässt!“ „Ei ja! – da bin ich wirklich froh! Denn, Gott sei Dank! I c h bin nicht so!!“
Hier spricht Wilhelm Busch, vielleicht der einzig wahre Philosoph des 19. Jahrhunderts. Er, der die Menschen nimmt, wie sie eben sind, mit allen Schrulligkeiten, Fehlern und Schwächen! Besonders die Letzteren hat er mit Wonne unter die Lupe genommen und sie dann mit spitzer Zunge und noch spitzerer Feder auf sein unvergessliches „Papier-Theater“ gebannt. Aber was geschieht, wenn seine Geschichte von der frommen Helene nun auf einer wirklichen Bühne spielt? Was wird dann aus der uns so vertrauten Bilder-Geschichte? Der Text ist heute so modern wie damals. Aber was wird aus den genialen Zeichnungen? Die werden zu Musik von Markus Neumeyer – frech, witzig, ironisch, spöttisch aber auch melancholisch und vor allem so sehnsüchtig wie Helene… Robert Schumann, Ludwig van Beethoven, Gustav Mahler und Johannes Brahms haben ihm dabei über die Schulter geschaut…
An all dem Geschehen um die „fromme Helene“ und dem großartigen Publikumserfolg waren sämtliche Darsteller gleichermaßen beteiligt: Sabine Fischmann als erstklassige Diseuse und Sängerin mit mimischer Begabung, Till Krabbe als genialer Schauspieler mit dem Hang, die Lachmuskeln zu strapazieren sowie Berthold Possemeyer mit seiner sonoren Baritonstimme in seinen imponierenden Rollen und schließlich Markus Neumeyer als einfallsreicher Komponist und Pianist, der so etwas wie das Salz in der Suppe war.
„Kann man eine Bildergeschichte auf die Bühne bringen – funktioniert Wilhelm Busch, wenn der Zuschauer zwar die Verse hört, aber keine Bilder sieht, dafür eine musikalische Interpretation einer der bekanntesten Geschichten aus der Feder des Urgroßvaters der Comics geliefert bekommt? Man kann. Unter Beweis gestellt wurde das in der Aufführung des „gutbürgerlichen Kammermusicals“ „Die fromme Helene“ im Rahmen des Rheingau Musik Festivals… Markus Neumeyer, der nicht nur eine virtuose Klavierbegleitung des Musicals bot, sondern auch der Komponist des „gutbürgerlichen Kammermusicals“ ist, ersetzte die Bildersprache Wilhelm Buschs durch eine musikalische Charakterisierung jeder Figur – Elemente aus Pop-Balladen sind ebenso dabei wie Tango oder Samba-Rhythmen und Anklänge an Kirchenmusik…“ (Wiesbadener Kurier, 7.7.2007)


