Die Parabel der Rheinfels
// Februar 27th, 2007 // Historie
Es ist eine Geschichte wie sie sonst nur in Filmen zu finden ist… – die Erzählung einer verschollenen Inschrift.
Wir schreiben das Jahr 1672. Nach der Instandsetzung der Festung Rheinfels, des Baues von Scharfeneck und der Ernst-Schanze wird an der inneren Aufziehbrücke der Burg Rheinfels eine Innschrift aus rotem Sandstein angebracht. Sie soll an die wechselhafte Geschichte der Burg erinnern und als Mahnung für die Zukunft gelten. Doch es kamen neue Schlachten und der Kanonendonner stellte nicht nur eine Gefahr für Leib und Leben dar. Auch die ehrenvollen Mauern der Festung standen unter Beschuss. Aus Angst vor Zerstörung wird die Inschrift an einen sicheren Platz in der Burg gebracht, um sie stetig zu bewahren.
Die Jahre vergehen und das Gedächtnis an die Inschrift schwindet. Mittlerweile sind es nicht mehr die Ritter und Jungfrauen, die die Burg bewohnen, sondern Touristen aus der ganzen Welt, um die mächtige Anlage zu bewundern.
Es steht ein kleines Häuschen mitten auf dem Burghof, dem kaum mehr Beachtung geschenkt wird. Einst beherbergte es die erste gastronomische Einrichtung der Burg. Ab den „Goldenen Zwanziger Jahren“ markieren rauschende Feste den Weg des kleinen Häuschens und mancher gestandener St. Goarer Schütze erinnert sich noch gut an die glanzvollen Ballnächte. Auch die „Helden von Bern“ sind 1954 in Saus und Braus bejubelt worden.
Aber dann geriet es wieder in Vergessenheit, das kleine Häuschen. Ohne Achtung seiner Geschichte wird es als Wohnraum und später als Lagerraum genutzt. Die Wände werden mit Tapeten verkleidet, die den intensiven Charme der siebziger Jahre versprühen. Aus der Festung Scharfeneck wird ein preisgekröntes Ferien- und Urlaubshotel. Der Gedanke an die Innschriften ist endgültig verblasst.
Bis zu diesem denkwürdigen Tag am 23. August 2005. Es sind langjährige Stammgäste, die den Inhaber des Schlosshotels dazu gedrängt haben, eine „kleine Kneipe“ auf der Burg zu eröffnen. Und im Geiste der Burggeschichte eben wieder in dem kleinen Häuschen mitten auf dem Burghof, dass schon so oft Schauplatz von manchem Gelage wurde.
Mit dem festen Entschluss die goldenen Zeiten wieder aufleben zu lassen wurde das Häuschen saniert. Bei der Entrümpelung des Häuschens hat so mancher Burgbewohner Dinge gefunden, die schon lange als verschollen galten. Auch wenn die Teppiche und Tapeten fast wieder modern geworden sind, so mussten sie dem neuen Anstrich weichen … – und es geschah der denkwürdige Augenblick.
Beim Abriss der Tapeten und Zwischenwände offenbarte sich wie unversehrt ein großes Stück Burggeschichte. Die Inschrift von 1672.
Versteckt und vergessen überstand sie den Wandel der Burg und wartete immer darauf enthüllt zu werden. Mit Fertigstellung der „kleinen Kneipe” auf Rheinfels hängt sie wieder nahezu unversehrt an ihrem Platz und betrachtet voller historischem Stolz so manche Feier des Zeitgeistes.
Die Geschichte, die sie erzählt, ist eine Parabel für jeden Besucher, der die Burg besucht.
„Mag so mancher Stein, den wir über die Jahre bauen, zerbrechen.
Manches Gold, mit dem wir uns schmücken, ist vergänglich.
Auch das eigenen Heim, in mühevoller Arbeit gebaut, wird zerfallen.
Aber die Grundsätze und Werte des Lebens, die wir prägen, sind auf einer Tafel geschrieben, die nicht gelöscht wird und den Wandel der Zeit überleben wird.“
Es sind kleine Geschichten, die die Faszination einer alten Burganlage ausmachen. Das Orginal der Innschrift ist im “De Backes – der kleinen Kneipe auf Burg Rheinfels” zu bewundern (Dienstag – Samstag ab 19:00 Uhr)
Die Übersetzung der Inschrift:
„Im Jahre 1245 ist dieser Ort vom Grafen Diether v. Katzenelnbogen mit einer Burg und Mauern befestigt worden, um den Rhein zu überwachen und den errichteten Zoll zu schützen. Das Kloster, das hier vorher gewesen war, Mattenburg oder Marienburg genannt, ist mit Zustimmung des Papstes an einen anderen Ort verlegt worden. Im Jahre 1255 überstand er glücklich die Belagerung von 26 Städten des Reiches. Im Jahre 1483 gelangte diese Grafschaft durch die Ehe Heinrichs, des hessischen Landgrafen, mit Anna, der Tochter Philipps d. älteren und letzten Grafen von Katzenelnbogen und Diez, nach dem Erbrecht zum Hause Hessen. Im Jahre 1552 ist der Landgraf Philipp vom Kaiser Karl V. aus dem Gewahrsam in Gent hierher entlassen worden. Im Jahre 1626 entriss das Haus Hessen-Darmstadt diesen Ort mithilfe spanischer Truppen dem Hause Hessen-Kassel. Aber im Jahre 1647 eroberten es die Hessen-Kasseler wieder durch Waffen und Belagerung, bei welcher Ernst, Landgraf von Hessen, Oberst des Reiterregiments war und der General Mortaigne, durch einen Kanonenschuß getroffen, verstarb. Schließlich ist diese Grafschaft durch Familienvertrag ebendem Fürsten Ernst, von Gottes Gnaden Landgraf v. Hessen, des Moritz` Sohn, des Enkels Wilhelms IV., des Urenkels Philipps des Großmütigen, zugefallen, der zur großen Befestigung dieses Ortes und in die Versetzung eines besseren Zustandes ohne das Geld untergenannter (Erklärung des Verfassers: 2000000 Reichstaler landschaftlicher Gelder) 100 000 Reichstaler gezahlt hat (in der Endabrechnung sind es dagegen 200 000 Reichstaler) von seinem eigenen Vermögen; er selbst ist der Erfinder der einzelnen Werke und hat ihre Ausführung bewirkt. Denn die ungünstige Lage des Ortes forderte die einzigartige Fertigkeit und solche Ausgaben. Begonnen 1657, im Großteil aber 1672 abgeschlossen.“
(Übersetzung aus der Chronik von St. Goar von Leopold Ensgraber)






Ich finde die neue seite unserer stadt gelungen und freue mich darüber.
toll fand ich die beleuchtung der ruine in den den letzten tagen und übewrlegte wer experimentiert denn da. war es das schloss hotel, waren es die kraefte vom mittelrheinerbe ? aber sichtlich ist es nicht von dauer, sondern von nissan