Aus-Zeit im Schlosshotel

// Dezember 11th, 2006 // Schlossgeschichten

Während immer mehr Kekse im Schlosshotel ankommen, eröffnen wir heute unsere neue Kategorie “Fremde Feder”. In diesem Bereich veröffentlichen wir kleine Geschichten und Anekdoten, die von Stammgästen oder Mitarbeitern im Romantik Hotel geschrieben wurde. Den Anfang mach Renate Jäckel mit Ihrer Geschichte “Aus-Zeit”. Es ist gute Tradition im Hotel, dass alle zwei Jahre zu Silvester, die Mitarbeiter eine Team-Show durchführen oder einen Teil des Arrangements zum Jahresende selbst gestalten. Vor zwei Jahren wurde vom Schloss-Team im Gewölbekeller der Burg Rheinfels das Stück “Der schwarze Abt” von Edgar Wallace aufgeführt. In Anlehnung an diesen schaurig-schönen Abend, hat Renate Jäckel diese Geschichte geschrieben:

Es war bereits kurz vor Mitternacht als Sabine Mallmann hochschreckte.
Ein Unwetter zog auf. Die Blitze zuckten um die Burgruine und ließen die Zinnen gespenstisch erscheinen. „So ein Mist“, dachte sie „übermorgen ist die Premiere der Rheinfelssaga. Die letzten Proben in der Burgruine . Wie wird das werden, wenn es regnet, wenn es darauf ankommt?“

Der nächste Morgen graute.
Der Regen hatte aufgehört.
Der Hauptdarsteller, der Mönch von Sankt Goar, stand schon auf der Bühne, lehnte an der Mauer und dachte darüber nach, wie er seine Rolle noch besser spielen konnte.

Er ist eben ein hoffnungsloser Perfektionist. Der Erste der kommt und der Letzte der geht.
Als Zweiter erschien der Pyrotechniker. Er wollte noch mal kontrollieren und testen was der Regen von seinen Spezialeffekten übrig gelassen hatte. Er zündete einen nach dem anderen. Es knallte links, es knallte links – plötzlich ein Aufschrei!
Der Pyrotechniker hatte den Mönch nicht bemerkt, auch nicht, dass der sich mit seiner rechten Hand an der Mauer abstützte, gerade neben einem Knaller.
Der Mönch hatte sich die Hand verbrannt. Der Pyrotechniker eilt zur Hilfe. „Ich eile schnell ins Hotel rüber und hole Eis zum Kühlen!“ Wie er wieder kam war der Platz leer und er fand nur noch einen Zettel, auf dem stand: Ich halte den Druck nicht mehr aus, ich brauche eine Auszeit!

Nach und nach trafen die anderen Schauspieler und der Intendant ein. Das Schreiben versetzte den Intendanten in helle Aufregung. „Unser bester Mann! Was soll jetzt werden? Die Zweitbesetzung muss schnell her!“
Der Pyrotechniker wollte eigentlich von dem Unfall nichts erzählen, da er mit seiner Entlassung rechnen musste. Aber wie konnte der Mönch als Rechtshänder noch einen Brief schreiben? Er rang mit sich, ging dann zum Intendanten und erzählte was sich am Morgen zugetragen hatte. Der rief gleich die Polizei.
Kommissar Fuchs hörte sich alles genau an. Dieses Verhalten sah dem Mönch wirklich nicht ähnlich! Er kaufte kürzlich ein Auto, war Perfektionist und hatte die rechte Hand verletzt?…..

Kommissar Fuchs besichtigt die Burgruine um Spuren zu finden. Ein Wolkenbruch behinderte seine Arbeit und er flüchtet vor dem Regen ins Museum. Wie er sich umsieht sieht er, dass antike Handschellen und andere Knebel- und Fesselutensilien fehlten. Messerscharf kombinierte er, dass diese Exponate niemals die Burgruine verlassen haben können. An „der“ Kassenaufsicht kommt keiner unbemerkt vorbei. Wahrscheinlich wird der Mönch noch leben, denn es fehlten nur Fesselutensilien, die Waffen aber waren alle noch da. Er rief alle zusammen- Polizisten, sowie Schauspieler und Statisten. Eine groß angelegte Suchaktion musste schnell beginnen, wollte man nicht zu spät kommen! Es gingen immer zwei in einer Gruppe, ein Polizist und ein Schauspieler. Kommissar Fuchs machte sich mit seinen Helfern in Richtung Minengänge auf den Weg. Der Regen hatte den Boden völlig aufgeweicht, nicht mal ein Indianer hätte da noch irgendeine Spur lesen können. Kommissar Fuchs untersuchte die Minengänge. Manche waren so klein und eng, so dass er kriechen musste. Manche waren durch Wassereinbruch unpassierbar. Wie er wieder aus einem Gang heraus kam und in den nächsten wollte, traf ihn von hinten ein schwerer Schlag. Kommissar Fuchs ist ein durchtrainierter, hoch gewachsener Mann und hat den schwarzen Gürtel im Judo. Blitzschnell fuhr er herum, warf den Angreifer zu Boden und drückte ihm sein Knie ins Kreuz, so dass dieser vor Schmerz aufschrie. „Sie sind festgenommen! Wo haben Sie den Mönch versteckt?“ Doch der Festgenommene sagte kein Wort. In der Zwischenzeit liefen durch den Lärm alarmiert die anderen Sucher herbei. „Die Zweitbesetzung!!“, rief der Intendant überrascht. Der Schauspieler züngelt: „Ich will auch eine Chance. Ich spiele sowieso viel besser!“
Kommissar Fuchs eilt zu dem Minengang, in den er gerade kriechen wollte, als der Schlag ihn traf. Er kroch hinein. Wasser floss den Gang entlang. Er rief. Nichts zu hören. Er robbt weiter. In der Dunkelheit kann er einen Quergang ausmachen. Der ist schon fast voll Wasser und da!!…… Ein Schatten! Kommissar Fuchs packt zu und kann den Mönch gerade noch vor dem Ertrinken retten.

Ein Tag später geht die Vorstellung über die Bühne. „Die Show muss weiter gehen“, hatte der Mönch gesagt. Er spielt brillant. In der 1.Reihe sitzt Kommissar Fuchs, als Ehrengast und Lebensretter. Beide sehen sich an und verstehen sich ohne Worte.”

Wir danken Renat Jäckel für diese schöne Geschichte und freuen uns über weiteren Erinnerungen von unseren Gästen.

0 Kommentare to “Aus-Zeit im Schlosshotel”

  1. Herbert Piel sagt:

    Schönes Foto!!!! mit Namesnennungveröffentlicht??? Belegexemplar??
    Nehme ich gerne an;-))))

Kommentieren Sie diesen Artikel