Wo ist der Hansenbecher, Herr Breitwieser?
// Oktober 31st, 2006 // Historie
Wenn der Vorsitzende des Hansenordens der Burg Rheinfels an Stèphane Breitwiese denkt, treibt es ihm wahrscheinlich Tränen in die Augen.
Der Hansenorden zu St. Goar ist aus einer mittelalterlichen Kaufmannsgilde entstanden, in die jeder eintreten mußte, der in der Stadt auf Märkten und Messen Handel treiben wollte. Die Ordensvereinigung wurde erstmals um 1460 urkundlich erwähnt, man ist jedoch sicher, daß sie bereits im 13. Jahrhundert, in der Zeit der Hanse und Städtebünde, entstanden ist.
Das Wahrzeichen des Ordens ist der Hansenbecher. Der Wert, speziell der ideelle Wert des Bechers, ist unersetzlich. Dieser Becher wurde leider am 5. Mai 1996 aus einer Vitrine des Museums auf Burg Rheinfels gestohlen.
Der Täter ist nicht irgendein Tourist gewesen, sondern einer der berüchtigsten Kunstdiebe Europas. Stéphane Breitwieser, der wohl größte Meisterdieb aller Zeiten hat sich mit gerade mal 32 Jahren eine Kunst-Sammlung “aufgebaut”, die sich sehen lassen konnte: 239 Werke aus den bekanntesten Museen Europas mit einem Gesamtwert von mindestens 20 Millionen Euro – darunter Meisterwerke von Pieter Brueghel d. Ä., Lucas Cranach d.J., Antoine Watteau und Albrecht Dürer wurden von ihm geklaut. Und das in einer Rekordzeit von nur sieben Jahren.
Leider auch der besagte Hansenbecher der Burg Rheinfels. Bis heute ist der Becher nicht mehr aufgetaucht.
Die Ironie der Geschichte… – er hat nun die Memoiren seines Schaffens veröffentlicht. In „Geständnisse eines Kunstdiebs“ kann der interessierte Kunstsammler nachlesen, mit welcher Schaffenskraft Breitwieser zugeschlagen hat.
Ob er dann auch jemals über den Verbleib des Hansenbechers Auskunft gibt, bleibt sein Geheimnis. Bis dahin müssen sich die Ordenbrüder auf Burg Rheinfels zum alljährlichen Hansenfest am ersten August-Wochenende mit dem Imitat begnügen.


