Kulinarischer Hansenabend in der Burg
// Oktober 11th, 2006 // Historie
Kennen Sie ein “Hansegelaache”? Und schmeckt Ihnen “E Stick von de Wutz met Erwese und Marone”? Sie müssen schon Mitglied beim Internationalen Hansenorden zu St. Goar sein, um in diesen Genuss zu kommen.
Der Hansenorden zu St. Goar ist aus einer mittelalterlichen Kaufmannsgilde entstanden, in die jeder eintreten mußte, der in der Stadt auf Märkten und Messen Handel treiben wollte. Die Ordensvereinigung wurde erstmals um 1460 urkundlich erwähnt, man ist jedoch sicher, daß sie bereits im 13. Jahrhundert, in der Zeit der Hanse und Städtebünde, entstanden ist, denn zu dieser Zeit war St. Goar als Residenz der Grafen von Katzenelnbogen ein bedeutender Stapel- und Umschlagplatz am Mittelrhein.
Auch in der heutigen Zeit wird das Brauchtum noch gepflegt und der Höhepunkt ist das alljährliche Hansenfest auf Burg Rheinfels. Neben den Vereinsaufgaben wie die Erhaltung und Ausbau der Burg Rheinfels, Pflege des alten Brauchtums und Erforschung des geschichtlichen Werdeganges der Heimat, steht auch die Geselligkeit und Gemeinschaft im Vordergrund. Aus diesem Anlaß hat am letzten Freitag der kulinarische Hansenabend stattgefunden. Neben “Salmone off Ommas Nuddele” wurden Spezialitäten wie “Graubedibbe met genuuch Fleesch” serviert. Aber lesen Sie selbst was Anton Kahl, der stellvertretende Hansenmeister berichtet:
“Hansegelaache Komponiert vum Hansemeester RUDOLPHUS AGRICOLA fier sei Hanse innem Hansesaal uf Burch Rheinfels am 6. Oktober A.D. 2006
Als gegen 19.30 Uhr der Hansemeister Rudolf Ackermann im Hansensaal den kullinarischen Hansenabend (Hansegelaache) eröffnete, konnte er rund 90 Hansenbrüder, Freunde und Gäste zu einer mittelalterlichen Atzung begrüßen. Er dankte für den überaus regen Besuch dieses Hansenabends, zu dem sich eine Reihe von Hansenbrüdern etwas besonderes hatten einfallen lassen. Galt es doch, ein fünf Gänge Menue zu zaubern, zu dem nur Gerichte verwendet werden durften, die es auch im Mittelalter gab.
Zu dem gereichten Met machte jedoch zuvor der Hansenmeister einen gedanklichen Streifzug durch das Mittelalter. Dann trugen die Hansenmädchen die Vorspeise auf, einen rafiniert mit Krätern gewürzten Quark, zu dem warmes Fladenbrot gereicht wurde (Quaak met vile Kraider dozu Flaade)..Alle waren sich schon zu diesem Zeitpunkt einig, daß es ein überaus gelungener Abend werden würde und die Menuefolge steigerte sich tatsächlich von Gang zu Gang. Es folgte eine Graupensuppe (Graubedibbe met genuuch Fleesch), die wunderbar mit Wurzelgemüse und Fleisch angereichert war und köstlich mundete.Sodann wurden in Butter geschwenkte Bandnudeln mit Lachs (Salmone off Ommas Nuddele met urdentlich Budda) aufgetragen und alle waren begeistert. Zuvor jedoch wurden von Hansenbruder Pfarrer Wolfgang Krammes die mittelalterlichen Tischsitten unter lautem Beifall der Anwesenden vorgetragen und er bat eindringlich, sich auch daran zu halten.-Der Barde Michael sorgte noch vor dem Hauptgericht dafür, daß sich alle ein wenig erholen konnte und durch gesangliche Einlagen ein wenig Zeit für die nächste Speisenfolge war.
Wolfgang Krammes hat zwischen den einzelnen Speisen die Anwesenden über die Zutaten befragt und konnte mit Genugtuung feststellen, daß sich viele Gourmets unter den Gästen befanden, die viele der verwendeten Kräuter auch herausschmeckten. Er sparte nicht mit Komplimenten und lobte immer wieder die Geschmacksnerven der Gäste. Als dann das Hauptgericht Wildschwein mit Erbspüree und Maronen (E Stick von de Wutz met Erwese und Marone) aufgetragen wurde, waren sich alle einig, das eine Steigerung nicht mehr möglich sei. Doch die als Dessert gereichte.letzte Menuefolge (Biere un Pannekuche met Sache fiers Au) unterstrich eindeutig, das sehr wohl noch eine Steigerung möglich war. Wiliamsbirnen eingelegt in roten zuvor gewürzten Wein löste wahre Begeisterungsstürme bei den Anwesenden aus.
Auch bei den Getränken wurden nur solche gereicht, die im Mittelalter bekannt waren. Also: Rode Wein – saua; Weise Wein – saua; Weise Wein – saua ora net so saua; Humbe met Beer und Guat Wassa.
Als weit nach Mitternacht alle mehr als gesättig waren, dankte Rudolf Ackermann allen Hansendamen, Hansenmädchen und Hansenbrüdern, die sich für die Vorbereitung, die Durchführung dieses gelungenen Hansenabend zur Verfügung gestellt hatten und die für einen reibungslosen Ablauf und hervorragenden Service gesorgt haben.
Ein gelungener Hansenabend ging zu Ende und der langanhaltende Applaus dankte den Akteuren für diesen wunderbaren Abend.”
weitere Informationen unter www.hansenorden.de


